Seit Guttenbergs Plagiatsaffäre scheint es in Deutschland modern geworden zu sein, negative Schlagzeilen zu machen. Damals waren es kopierte Textpassagen in von und zu Guttenbergs Doktorarbeit, die den Thron des Politikers ansägten. „Copy and paste“ war in aller Munde und den gegelten Verteidigungsminister kostete es seinen Platz in der Regierung.
Auch vor dem höchsten politischen Amt in Deutschland macht der Affären-Zirkus nicht Halt. Bundespräsident Christian Wulff steht nun schon wochenlang auf den Titelseiten. Ein privater Kredit kratzt an der makellosen Fassade des höchsten Deutschen. Wulff war gerade in der Golf-Region unterwegs als ein Bericht der “Bild”-Zeitung erschien, demzufolge Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident falsche Angaben zu geschäftlichen Beziehungen gemacht haben soll. Er wies die Vorwürfe zurück.
Laut der größten deutschen Zeitung hatte der damalige Ministerpräsident 2010 im Landtag verschwiegen, dass er und seine Frau Bettina von der Ehefrau des Osnabrücker Unternehmers Egon Geerkens ein Darlehen über eine halbe Million Euro erhalten hatten. Das Geld hatte er für ein Haus geliehen.
Immer mehr schmutzige Details kommen in der Kreditaffäre ans Tageslicht. Für Wulffs Buch soll ebenfalls ein hoher Geldbetrag für Anzeigen ausgegeben worden sein. Jedoch nicht von ihm. Er will nichts davon gewusst haben, dass ein Freund mehrere Tausend Euro in Werbemaßnahmen für sein Buch gesteckt haben.
Stimmen werden laut, dass das Amt des Bundespräsidenten dauerhaft beschädigt werden würde, wenn die Debatte und Wulffs Verhalten so weiter geht. Und es ging so weiter: Christian Wulff steht mit dem Rücken zur die Wand und zieht die Reißleine, indem er den Frontalangriff gegen den Chefredakteur der „Bild“-Zeitung startet. Mal ehrlich, wer findet den schon sympathisch, verübeln kann man es Wulff ja nicht. Aber man merkt, dass der Bundespräsident langsam panisch gegen weitere Vorwürfe gegen seine Person reagiert. Und das zeigt, dass an den Vorwürfen womöglich wirklich etwas dran ist. Ein Mann, der es sich auf die Brust geschrieben hat, dass Pressefreiheit das wichtigste Gut ist, will dem größten deutschen Blatt den Mund, Verzeihung, die Feder verbieten.
In Deutschland wird wegen Abschreiben und Geldnehmen auf Politikern rumgehackt. In anderen Ländern herrschen aber andere Sitten. Da wird selbst der Regierungschef wegen sexuellen Missbrauchs nicht an den Pranger gestellt. Die Italiener halten die männliche Potenz eben für eine Voraussetzung ein Regierungsmitglied zu sein.
Aber Reaktionen wie Wulffs Vorstoß gegen die Bild-Zeitung und Guttenbergs Einlenken, dass er während der Arbeit an seiner Doktorarbeit, familiär sehr belastet gewesen sei, zeigen uns wieder einmal, dass auch Politiker nur Menschen sind. Menschen, die wie Du und ich regelmäßig in Fettnäpfchen treten und auch schon das ein oder andere Porzellan im Laden zertrümmert haben. Der einzige Unterschied: Wir machen den Neuanfang nach einem Malheur in Deutschland, die Politiker wandern allesamt nach Amerika aus.
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